ALESSIO

Happy-End mit Hindernissen
Trotz der Trauer um den Verlust unserer 15-jährige Bolonka-Hündin Dalina, haben wir allmählich gespürt, dass wir wieder einen vierbeinigen Freund möchten. Ein Hund aus zweiter Hand, sollte bei uns eine neue Heimat finden. Einen Tag vor dem Besuchstermin im Tierheim in Untersiggenthal hatten wir ein wegweisendes Erlebnis.
Bei einem Spaziergang im Wald trafen wir einen Hund, der von weitem aussah wie unsere verstorbene Bolonka-Hündin Dalina. Die Besitzerin erzählte uns, dass ihr Hund ein Malteser ist. Diese Begegnung hat mich noch einmal den ganzen Tag so richtig durchgeschüttelt.
Am nächsten Tag im Tierheim lernten wir Alessio kennen, ein Malteser Mischling und Findelhund. An unseren Vorsatz, ein Hund aus dem Tierheim sollte ein Verzichthund sein, damit man die Vergangenheit kennt, haben wir nicht mehr gedacht. Beide waren wir entschlossen, diesem Hund ein neues Zuhause zu geben. Von diesem Tag an, ist auch meine Trauer in den Hintergrund gerückt. Es war, als ob Dalina uns und vor allem mir sagen wollte, lasst jetzt los, es war schön mit euch, aber jetzt ist Zeit nach vorne zu schauen, es wartet jemand auf euch.
Nach dem Abholen hat Alessio sich bei uns sofort wohl gefühlt und wir uns auch mit ihm. Wir mussten aber bald feststellen, dass er sehr schreckhaft ist und sich nicht eingeengt fühlen darf. In mich schien er volles Vertrauen zu haben. Mein Mann hatte es am Anfang schwerer.
Aufgrund von Alessios unklarer Herkunftssituation war nach seiner Ankunft bei uns noch für einige Zeit aus Gesunds-Schutzgründen Heimquarantäne angeordnet, so dass wir keine anderen Menschen und Tiere in seine Nähe lassen durften. Zum Glück war Sommer und unser Garten eingezäunt. Es war ein bisschen wie zu Corona-Zeiten, wir lebten total zurückgezogen.
An einem heissen Sommer-Tag hatte Alessio plötzlich einen epileptischen Anfall unter unserem Apfelbaum. Wir sind furchtbar erschrocken, ihn so hilflos zu sehen, war sehr schmerzhaft und hat ihn uns noch nähergebracht. Diesem Anfall sind noch drei weitere gefolgt, im Schnitt einmal pro Monat, die letzten beiden zum Glück weniger stark.
Nach der Heimquarantäne-Zeit kauften einen GPS-Tracker, um sicher zu sein, dass Alessio nicht verloren geht. Denn er war noch nicht kastriert, hatte bei Spaziergängen die Nase immer am Boden und markierte viel. Dank dem Tracker konnten wir ihn dennoch bei unseren Spaziergängen durch Feld und Wald mal von der Leine lassen. Wir freuten uns alle drei über die neu gewonnene Freiheit. Von Zeit zu Zeit haben wir ihn zurückgerufen und er ist freudig gekommen.
Alles hat bestens funktioniert, bis zu dem Tag, als er - die Nase am Boden - von uns weggelaufen ist und auf kein Rufen mehr reagiert hat. Auf meinem Handy habe ich gesehen, dass er sich immer weiter von uns entfernt in ein ganz anderes Gebiet. Ohne Tracker hätten wir niemals dort gesucht. Wir haben ihn verfolgt. Die Reise endete zirka drei Kilometer entfernt bei einem einsamen Haus in einer Waldlichtung. Dort begrüsste uns eine freundliche Appenzeller-Hündin mit Alessio an ihrer Seite. Der ist sofort unaufgefordert in unser Auto gesprungen und hat seine neue Bekanntschaft nicht mehr beachtet, was uns heimlich gefreut hat. Nun hat Alessio einen Kastrationschip. Wir versprechen uns dadurch, dass er ruhiger wird und dies sich vielleicht auch positiv auf die epileptischen Anfälle auswirken wird. Sollten wir keine negativen Veränderungen feststellen, werden wir die Kastration in ein paar Monaten chirurgisch vornehmen lassen.
Sicher ist: Wir haben Alessio fest in unser Herz geschlossen. Zu Hause sind wir ein eingespieltes Team und haben schon unsere Rituale und Routinen. Wir sind glücklich, Alessio eine neue Heimat geben zu dürfen. Wir freuen uns schon sehr darauf, Alessio bei unseren Camper-Reisen dabei zu haben.

28. November 2024



