Max & Moritz

Bevor die lange Erzählung startet, hier für alle, die nur einen kurzen Eindruck bekommen wollen das Fazit zuerst:
Lieber ATS
Wir durften vor gut 18 Monaten bei Ihnen unsere beiden Golden-Jungs Max und Moritz abholen. Wir möchten uns nochmals ganz herzlich bedanken und einen Bericht als Happy-End, als Dankeschön senden. Frau Vergut hat uns sehr gut betreut. Die damals äusserst spontane Anfrage von uns, ist dank ihr zu Stande gekommen. Die Entscheidung für das Duo war für uns besser als ein 6er im Lotto.
Allen Katzen geht es prächtig. Unser Senior Piero (rechts im Bild) hat seine nächtlichen Jaul-Attacken komplett verloren. Moritz und Max haben sich wiedergefunden und mögen sich wie eh und je und haben mit dem Senior eine tolle Beziehung geschaffen. Immer wieder gehen sie auf ihn zu und versuchen mit ihm Köpfchen zu geben. Auch putzen sich alle gegenseitig bis zu dem Punkt, wenn es dann dem Senior zu viel wird. Dann knabbert er bei ihnen am Ohr oder stösst sie mit einer Pfote leicht auf Distanz. Max hat Piero ausserordentlich gern. Sobald Piero sich nur etwas bewegt oder umhergeht, ist Max gleich bei Piero. Max und Piero haben auch ein sehr ähnliches Gemüt und verstehen sich echt blendend. Moritz wird eher mal auf die Seite gestossen, wenn er etwas energiegeladen um Piero herumschmeichelt. Sie können aber alle ruhig und kuschelig zusammen auf dem Bett schlafen. Piero und Max nebeneinander. Moritz mit etwas Abstand zu den beiden.
Für alle, die alles wissen wollen, hier die ganze Geschichte:
Wir hatten für unseren 17 jährigen Senior Piero als Kollegen zuerst eine ältere Katze anschauen wollen. Leider kam sie aber dann doch nicht in Frage, da sie ein zu lebhaftes Gemüt hatte. Die beiden Kollegen der älteren Katze waren Max und Moritz. Die beiden waren recht ängstlich. Da wir eigentlich eine einzelne Katze dazuhaben wollten, mussten wir kurz darüber schlafen.
Nach gut zwei Wochen konnten wir die beiden dann abholen und haben den Heimweg angetreten. Mit einem mit Netz abgesperrten Raum sind die ersten drei Wochen etwas verhalten angelaufen. Wir hatten extra Ferien genommen. Die beiden verkrochen sich in jeder Ecke und Moritz lag zum Teil richtiggehend auf Max. Zu Beginn der zweiten Arbeitswoche ist mir aufgefallen, dass mit Moritz etwas gar nicht stimmen konnte. Wir sind gleich zum Tierarzt gefahren und es wurde eine sehr heftige Leberentzündung diagnostiziert. Wohl durch den Verlust des verstorbenen Vorhalters und der für Max und Moritz stark veränderten Situation, hatten beide nicht mehr genug gefressen und zu schnell abgenommen. Die Zeichen für Moritz standen sehr schlecht. Leider konnten sie Moritz in der Krankenstation wegen seiner ängstlichen und fauchenden Art nur sediert über eine Sonde füttern. Es war alles zu viel für ihn. Auch Besuche von uns haben keine grosse Verbesserung gebracht, was auch verständlich war. Moritz kannte uns ja kaum. Wir haben dann an zwei Tagen eine Schulung bekommen, um Moritz zu Hause zu Füttern und zu Verarzten, weil dies eine der letzten Möglichkeiten war.
Gut fünf Wochen haben wir dann Moritz bis zu 5 Mal am Tag, in einem passenden Käfig aufgepäppelt. Wir sind jeden Tag zweimal von der Arbeit nach Hause gefahren und auch um Mitternacht bekam er seine Umsorgung mit Füttern und Verbinden. Jeweils Ende Woche, einen Arztbesuch, mit Blutentnahme. Alles immer noch unter einem schlechten Stern, er würde es evtl. gar nicht überleben. Erst nach gut einem Monat haben wir dann endlich bessere Nachrichten erhalten und erwarteten jeden Tag sehnsüchtig, dass er selber zu Essen begann, was er leider nicht tat. Eine Woche später kam ein letzter Entscheid. Wir hofften mit der Sondenentfernung für Moritz das Leben wieder lebenswerter hinzubekommen. Auch wenn ein grösseres Restrisiko dabei war. Glücklicherweise hat es aber sofort geklappt. Wie befürchtet, hatte die Sonde Moritz beim Fressen gehindert.
Unser Senior Piero war immer mal wieder bei seinem Käfig vorbeigelaufen und Moritz war interessiert diesen neuen Kollegen kennenzulernen. Max hat sich in der Zeit immer ängstlich in einer Ecke verkrochen, hat aber wenigstens gegessen. Streicheln, Anfassen oder der Kontakt zum Senior war praktisch unmöglich.
Der Tag kam, der Käfig wurde geöffnet. Moritz ging gemächlich aus dem Käfig und drehte sich gewitzt zum Senior, der gleichzeitig um die Ecke gelaufen kam. Beide beschnupperten sich und Moritz ging an den Fressnapf. Wir schauten uns nur völlig erstaunt an.
Moritz hat sich nach wenigen Wochen sogar streicheln lassen und heute kann er nicht genug gestreichelt werden. Beide sind aber nach gut einem Jahr immer noch ängstlich. Max können wir eigentlich erst seit etwa zwei Monaten anfassen. Beide zeigen uns aber immer wieder, dass sie genau wissen, dass wir für sie nur das Beste wollen. Wir denken sogar, die Bindung zu Moritz hat sich vor allem durch die medizinische Fürsorge erst ergeben. Dafür hat Max sich in der «eigenständigen» Zeit etwas Selbstbewusstsein ergattert.

Wir vom ATs danken von Herzen fürs Durchhalten und freuen uns sehr, dass das Fazit trotz der schwierigen Zeiten "Die Entscheidung für das Duo war für uns besser als ein 6er im Lotto" lautet. Wir finden es wichtig, auch Geschichten zu veröffentlichen, die zeigen, dass nicht jede Adoption von Anbeginn an nur die reine Freude ist. Man holt sich ein Lebewesen ins Haus, ins Leben. Manchmal nötigt einem das neben viel Liebe auch Geduld, Geld oder Stress-Resistenz ab.
16. Januar 2025



